Von Kindern, Katastrophen und dem Ritt in den Sonnenuntergang…

dsc05958Abschließend zu diesem ereignisreichen (All)Tag und der Reihe von bescheidenen Tagen mit Zahnlücken-Hochs und Hausaufgaben-Tiefs, die sich zur Zeit so unverschämt die Hand reichen, möchte ich noch hinzufügen, dass natürlich nicht alles soooo schlimm ist. Nein, es ist eine Katastrophe!!!!

Man muss dazu sagen, dass es für meine Kinder das Wort „Schlimm“ nicht gibt. Es gibt entweder die „Katastrophe“ oder das „Ist doch egal“. Dazwischen luftleerer Raum.
Wer gerne die Kurzfassung lesen möchte…

Die Gewichtung und Definition hingegen legen ja die Erwachsenen fest. Bei Kindern wird das oftmals spontan entschieden, je nach Lust und Laune gewechselt oder auch mal einfach beides zusammen verwendet. Hey, so eine egale Katastrophe hat auch was!!

Ein paar Beispiele: Mein Sohn sollte heute, so wie jeden Tag, seine Hausaufgaben machen! Routine sollte man meinen, aber man kann’s ja mal versuchen und pauschal behaupten, man hätte heute keine (glaubt ihr echt ich bin blöde??)! „Hausis sind doch egaaaaal….“.
Doch Mama besteht auf die Einsicht des Hausiheftes und siehe da, da steht doch echt viel drin. Also, nörgel, nörgel….. ewige Zeit später… Sohn musste sie natürlich machen… aber mit dem Genörgel, Gestöhne und Gekritzel, eher eine Katastrophe.
Dann, vor lauter Nörglen, hatte sich der Stepke doch tatsächlich an einer Heftseite geschnitten! Nichts dramatisches und meinem geschulten Blick nach eigentlich nicht Schlimm, aber natürlich auch nicht egal. Doch für den Kleinen eine Katastrophe: „Ich bluuuuuhhhuuuuteeeeeee!!!“
Kurze Zeit später sollte das Kinderzimmer etwas aufgeräumt werden. Ja, etwas sage ich. Zumindest der Boden, damit ich in der Nacht, wenn ich nochmal nach ihnen schaue, nicht immer in die spitzen Hörner des Schleich Nashorns trete…
Klare Ansage, präzise Zeitangabe, freundliches Bitten! Das müsste hinhauen.
Pustekuchen! Nichts haut hin. Ich komme nach der besagten Zeit ins Zimmer und muss feststellen, dass das Nashorn zwar in die Kiste verbannt wurde, dafür aber eine komplette Drachen-Ritter-Kampfarena aus Schleichfiguren und Kaplas auf diesen paar Quadratmetern Kinderzimmerboden entstanden ist. Die Kids schauen in mein entsetztes Gesicht und sagen dabei lächelnd: „Ist doch egal, das räumen wir morgen weg…“, wobei das „morgen“ bei Kindern soviel heißt wie: wenn’s dich stört, dann räum du es doch weg, oder ich schiebe es dann irgendwann einfach zur Seite, wenn ich den Platz für die Legokiste und die Rennbahn brauche. Clever, oder einfach nur ’ne Katastrophe!!!

Das ist ja alles Recht und schön, man hat sich auch daran gewöhnt das alles auszuhalten, wegzustecken oder einfach manchmal auf Durchzug zu schalten, das Tragische ist nur, dass man doch für alle „Katastrophen“ zuständig und verantwortlich ist bzw. gemacht wird…

… wenn auf einmal das Hausiheft aus dem Schulranzen verschwindet, weil ich es vermutlich zwecks Durchsicht mitgenommen haben soll (das dann aber doch zwischen Schreibtisch und Regal des Herrn Sohnes wieder auftaucht!)… auch habe ich besonderes Interesse an den großen blauen Murmeln, denn ICH brauche die ja täglich (dass sie allesamt unter dem Bett verteilt sein könnten, kann aber auf keinen Fall sein!)… und das Verschwindenlassen von Haargummis oder rosa Glitzerhaarspangen gehört neuerdings zu meinen besonderen Fähigheiten… (das muss ich unbedingt in meinen nächsten Lebenslauf dazu schreiben!).
Ebenso obliegt es auch in meiner Verantwortung JEDEM die Jackenärmel, Strumpfhosen und Pullover, die beim Ausziehen verdreht werden, wieder umzudrehen. Denn ein „verdrehtes“ Kleidungsstück kann man (Kind) morgens ja nicht so schnell anziehen, und dann kommt man (Kind) halt wieder zu spät in die Schule! Pech! Das dürfen Mamas ja gar nicht zulassen!
HALLO??? Ja, bin ich denn bescheu… ?? Das sind 6 Jackenärmel, 6 Strumpfhosenbeine und 6 Pulloverärmel, also 18 mal umdrehen… vom täglichen Suchen der verschwundenen Kapuzen, Mützen und Handschuhe ganz zu schweigen!
Einem Zweijährigen macht man das natürlich gerne, aber jemandem, der von sich behauptet, er sei „Jugendlich und Mr. Cool persönlich“, oder jemandem, der von sich sagt, er kann schon alleine seine Bettgehzeit bestimmen oder einer kleinen Göre, die einem mit einem charmanten Lächeln wortlos die Gliedmaßen zum Anziehen entgegenstreckt? NEIN, da weigere ich mich!!! Das darf ich!!!

Ich bin nicht für ALLES verantwortlich!

Diese Aussage ist für die Kinder aber eine Katastrophe, denn wenn nicht Mama, wer dann???? Mamas dürfen sich nicht weigern, wisst Ihr! Sie müssen wie eine kleine japanische Geisha stets freundlich lächeln, sich höflich verneigen und fragen: „Darf es noch was sein, die Herrschaften?“

Menschenskinder, ihr wisst doch gar nicht was eine echte Katastrophe ist:
das ist es nämlich dann, wenn dir morgens das Marmeladentoast mit der Marmeladenseite nach unten auf den hellen Teppich fällt, der Kater einmal mit seinem buschigen Schwanz drüber wischt und das Ganze in der Wohnung verteilt kurz bevor man in die Kita muss. Eine Katastrophe ist es auch, wenn ich mit meinem in „dunkel Waldmoos“ eingefärbten Stempel ungereinigt in das „zart Safrangelbe“ Stempelkissen gehe… grrr. Oder wenn eine Lieferung mit 300 Nutella-Gläschen einfach nicht rechtzeitig für den wichtigsten Markt des Jahres ankommt und alle Kunden mit einem „Ach, Schaaaaade, das hätt ich jetzt gekauft!“ von Dannen ziehen.

Ja… das ist eine richtige Katastrophe.

Und ich spreche jetzt nicht davon, dass der schleimige Tesahaufen  (Geschichte dazu gibt es HIER) immer noch neben der Dusche liegt.
Hach, ich wollte einfach mal das Experiment wagen, wie lange etwas Eklig-Klebriges, das inzwischen ausschaut wie der Riesennasenpopel eines Aliens,  in oder neben der Dusche liegen kann, bevor die Herrschaften es vielleicht mal entsorgen… oder zumindest registrieren.
Nein, es wird einfach drüber hinweg gestiefelt, oder mitgeduscht, als sei dieses Ding schon immer da gewesen und gehöre jetzt zur Familie! Mann, Mann, da fällt einem Nichts mehr ein!

Ach, Wolke, ich wünsche mir jetzt auch mein Schaukelpferd zurück, auf das ich mich dann allerdings setzen würde und gen Westen reiten würde. Dem Sonnenuntergang engegen bis der Horizont mich verschluckt…

… vorher würde ich allerdings noch den Alienpopel entsorgen!

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2 thoughts on “Von Kindern, Katastrophen und dem Ritt in den Sonnenuntergang…

  1. Petra Zinser November 21, 2016 at 1:41 pm

    Liebe Karin, zu gerne lese ich deine kleinen Geschichten eures familiären Alltages! Hat der Alienpopel schon einen Namen? Als neues Familienmitglied hätte er das doch verdient?
    Tolles Foto hast du auch noch dazu geliefert, da fängt man beinah an zu Träumen.
    Liebe Grüße,
    Petra

    • Karins Kreativbox November 21, 2016 at 6:12 pm

      Liebe Petra,
      das höre ich natürlich gerne, aber der „Alienpopel“ wird wohl namenlos bleiben… ach, warte, ich frag‘ ihn mal, der liegt bestimmt noch neben der Dusche 😉
      Gruß,
      Karin

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